Das Herz unter Druck

Michael Munzel

 

Der bindungsenergetische Behandlungsansatz bei Herzdruckerkrankungen

 

Psychischer Druck kann zu Herzstress führen. Ist das Wohlbefinden eines Menschen über längere Zeit gestört, ist erfahrungsgemäß in fast allen Fällen chronischer Herzstress beteiligt. Er kann in letzter Konsequenz sogar die körperliche Regulation des Blutdrucks – die Blutdruckregulation – so stark belasten, dass diese aus dem Gleichgewicht kommt. Herzstress, so legen die therapeutischen Erfahrungen nahe, kann somit ursächlich an der Entwicklung von Blutdruckerkrankungen beteiligt sein.

Bluthochdruck (Hypertonie) gehört zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- Erkrankungen und ist laut zahlreichen Studien (Quelle: RKI*) eine wesentliche Determinante der häufigsten Todesursachen im Erwachsenenalter. Dabei entsteht die Hypertonie durch ein Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren, wie genetischer Prädisposition, Alter, Geschlecht und ungesunden Ernährungs- und Lebensbedingungen. Neben Übergewicht, hohem Kochsalz- und Alkoholkonsum und Bewegungsmangel wird vor allem Stress (Druck) als Risikofaktor aufgeführt. Es handelt sich also dementsprechend um einen Risikofaktor, der durch die Umstellung von Lebensgewohnheiten (sowie begleitender medikamentöser Therapie) beeinflusst werden kann.

Die Bindungsenergetik ist ein Therapieansatz, welcher Herzstress erkennen und reduzieren möchte. Unter Herzstress wird in der Bindungsenergetik genau jener Stress verstanden, den ein Mensch durch unterschiedliche Formen der Verinnerlichung von Ansprüchen, Erwartungen, Leistungsanforderungen etc. auf sich selbst ausübt. Dieser Stress belastet das Herz-Kreislauf-System nachhaltig und oft über lange Zeiträume. In der bindungsenergetischen Therapie wollen wir erfahren, was im Leben dieser Person genau chronischen Druck erzeugt, damit sie sich von ihrem verinnerlichten Druck lösen kann und sich nicht mehr „herzstresst“.

Bei der Behandlung von Druck setzen wir uns in der Therapie das Ziel, dass sich der Mensch wieder wohlfühlt. Wir tun dies, weil das Wohlgefühl von einer inneren Situation zeugt, in der kein störender Druck erlebt wird. Das Wohlgefühl impliziert, dass die eigenen, inneren Druckverhältnisse entspannt genug sind, aber die Person dennoch unter guter eigener Spannung steht – also gesund Eigendruck machen kann. Dann ist ein guter, gesunder Druck vorhanden, der widerstandsfähig macht gegen krankmachende Druckeinflüsse oder Überlastungen durch alle Formen von ungesundem Druck. Ungesunde Druckeinflüsse sind zum Beispiel Sozial-, Leistungs-, Erwartungs-, Erfolgs-, Emotionsdruck, aber auch Mangeldruck (mangelnder Druck hat Auswirkungen auf den Herzdruck) usw. Die Liste ist vielfältig und lang. Somit bedeutet Wohlgefühl auch, dass ein Mensch sich nicht über das verträgliche Maß hinaus, durch mangelnde Gesundheit, durch Existenzsorgen oder Sozialdruck belastet fühlt.

Die Verbindung zwischen Herz und Gehirn

In der Bindungsenergetik arbeiten wir „druck-bezogen“ mit der Herzmethode. Sie ist eine zentrale Methode der bindungsenergetischen Therapie, welche unter anderem im Zusammenhang mit psychischem Druck zur Anwendung kommt. Grundlage für die Herzmethode ist die Kommunikation von Herz und Gehirn. Zwischen diesen Organen besteht eine Vielzahl nervlicher Rückkopplungen, wodurch sie permanent miteinander kommunizieren. Auf Grund dieser Verkopplung können wir über das Herz auf das Gehirn Einfluss nehmen. Für die Arbeit mit einem Herzdruck ist diese Kommunikation relevant, da Bewegung immer mit Druck verbunden ist und das Herz unmittelbar am „Druckgeschehen“ beteiligt ist. Die Bewegung, die vom Herzen selbst ausgeht, erzeugt dabei gesunden Druck. Bekanntermaßen ist das Herz ein Muskel – die (Druck)-Pumpe – der unser ganzes Leben schlägt und pumpt. Dabei erzeugt es eigene, intrinsische Bewegungsimpulse. Für den Ausbau von gesundem Eigendruck, der belastendem äußerem Druck entgegengestellt wird, ist es nun wichtig, wie sich dieser ureigene Impuls im Gehirn (und damit psychisch relevant) auswirkt.

 

Wirkprinzipien der Herzmethodik

Wir wollen mit der Herzmethode drei grundlegende Prozesse anstoßen:

1. Erster Wirkmoment: Beruhigungsprozesse etablieren
Durch das Auflegen der Hand auf das Herz der/s Klient*in bauen wir eine vertrauensvolle Beziehung zu dem Menschen auf und können einen gefühlsmäßigen Zugang zum Herzen bilden. Das unterscheidet sich klar von der medizinischen Behandlung des Herzens. Denn durch diesen gefühlsmäßigen Zugang können wir über das Herz auf das vegetative Nervensystem einwirken und initiieren dadurch Beruhigungsprozesse. Beruhigungsprozesse sind wichtig, da sie unmittelbar den Stress reduzieren. Erst wenn der Stress nachlässt, kann der Mensch ins Fühlen kommen. Das reduziert den Druck, der dann unverzüglich wahrnehmbar herunter geht. Deshalb ist dies der erste Wirkmoment der Methode.

Herzgefühle sind insbesondere von Bedeutung, da Herzgefühle Eigengefühle sind. Eigengefühle wiederum sind Gefühle, die anzeigen, wie ein Mensch sich selbst in der Welt fühlt. Es sind motivierende Gefühle– also Gefühle, die die Person aus sich selbst heraus motivieren – wie Freude, Dankbarkeit, Glück, Hoffnung, Zufriedenheit, Zuversicht usw. Sie haben allesamt die Gemeinsamkeit, dass sich die sich-eigen-fühlende Person „gut drauf“ fühlt. Mit anderen Worten: mit ausreichendem Eigengefühl ist der Mensch von zu großem Herzstress bzw. Fremddruck befreit und fühlt sich selbst gut in der Welt. Über die Beruhigung und die Vertrauensbeziehungen wird der Menschen „ent-stresst“ und das Eigengefühl gestärkt.

2. Zweiter Wirkmoment: Widerstandskraft stärken

Wir stoßen durch die Herzmethode die Eigenbewegung (eine eigene Bewegung) im Menschen an. Schon in der Embryonalentwicklung funktioniert der Bewegungsanstoß des Herzens aus sich selbst heraus. Der Bewegungsimpuls des Herzens ist folglich ein eigener, ganz aus sich selbst geborener Bewegungsvorgang und als solcher wirkt er auch autonom auf unser Gehirn ein. Das machen wir uns methodisch zu Nutze. Durch die Herzmethode bekommen wir Kontakt zur Bewegung, die von der Person selbst in Gang gesetzt wird. Dieses „Von-mir-selbst-in-Gang- gesetzt werden“ ist auch als intrinsische Motivation bekannt. Unser zweiter methodischer Aspekt der Herzmethode ist folglich: Wir regen gezielt die intrinsische Motivation an.

Produktiver Stress entsteht aus der intrinsischen Motivation. Für das Thema psychischer Druck ist in diesem Zusammenhang relevant, dass die intrinsische Motivation auch Druck auf die Person erzeugt. Zweifelsohne kann auch dieser Druck erheblich sein, allerdings wird dieser Druck anders als der ungesunde Druck, als gesunde Herausforderung und Kräftigung erfahren. Im Rahmen der bindungsenergetischen Therapie sprechen wir hier von gesunder Eigenbewegung. Wir wollen die Eigenbewegung aus ureigener Motivation wieder in Kraft setzen und so auf der gesunden Seite Druck aufbauen, weil sie gesund ist und fremden Herzstress abbaut.

Eine solche Motivation erzeugt gesunden Bewegungsdruck und sorgt für genügend eigene Bewegung, was das Herz-Kreislauf-System entlastet. Das eigene „Ich bewege etwas“ bildet in der Folge gesunde Widerstandskraft gegenüber äußeren Bewegungsanforderungen und Bewegungsbelastungen.

Für die entlastende Druckbehandlung ist es dabei wichtig, dass die Eigenbewegung stärker ist, als die auf uns ungut einwirkenden Bewegungseinflüsse. Aus den genannten Gründen ist die Herzmethode der Bindungsenergetik methodisch geeignet mit Aussicht auf entsprechende Wirksamkeit.

3. Dritter Wirkmoment: Stabilen Eigendruck aufbauen

Jeder Mensch ist von sich aus motiviert, in der Welt eigene Erfahrungen zu machen und das, was ihn aus sich selbst heraus motiviert, zu verfolgen. Was ist aber der Unterschied zwischen Eigenerfahrungen und allen anderen Erfahrungen, die uns widerfahren und sogar prägen? Eigenerfahrungen sind die Erfahrungen, die wir durch eigene, selbstbestimmte Tätigkeiten und Handlungsweisen erzielen. Wir können diese vollziehen, ohne dass die uns ermüden oder stressen. Wir regenerieren dabei sogar. Sie sind eine gesunde Quelle von Autonomie. Es sind damit Erfahrungen, die wir selbst „verursacht“ haben. Sie erweitern unseren eigenen Erfahrungshorizont und setzen Bewegung um, die es möglich machen unsere eigenen Belastungen zu ent-lasten und zu lösen.

Auch hier gilt, dass die Eigenerfahrung unmittelbar den Herzstress und das „selber unter Druck stehen“ reduziert und das eigene Handeln dem unterschiedlichem äußerem Handlungsdruck (und dem, was jeder Mensch, sich zu tun aufbürdet) überwiegen sollte. Die Stabilität aus eigenem „Tätigsein“ und eigenem Handeln ist für gesunden Druck somit ebenfalls unerlässlich.

Wohlgefühl und Herzstress

Die genannten Wirkmomente haben den Vorteil, dass sie negativen Einflüssen durch ungute Gefühle, Motivationslast oder Handlungsdruck ein stabiles, eigenes „Drucksystem“ entgegensetzen. Aus diesem Grund trägt die Herzmethode dazu bei, tatsächlich die eigene Stressregulation zu stärken und verlorengegangene Resilienz zurückzugewinnen. Die Person wird stressfest und gewinnt Kräfte gegen ungesunde Stress- und Druckprozesse.

Der Druck, der von mir selbst kommt, wirkt dann stark genug gegenüber dem Druck,
der von außen auf mich einwirkt. Diesen Druckzustand, die sich daraus ergebende Gesamtverfassung, nennt man Wohlgefühl. Der Mensch kann sich dann wohl-vertrauend, wohl-zufrieden oder wohl-erfreut (hocherfreut) fühlen und erlebt sich dann herzunbelastet.